
Mehr Verhältnismäßigkeit. Mehr Risikobereitschaft. Mehr Mitspracherecht
Teamsport-Meeting, Teil 2: Julius Heyner, Dimitri Ignatow und Semir Kaymakci vermissen Ausgewogenheit und Mut seitens der Medien, ein klares Bekenntnis der Gesellschaft zum Spitzensport – und hinterfragen erkennbare systemische Verkrustungen hierzulande. Ideen liefert das Trio gleich mit. Eine wichtige Anmerkung: Mehr Mitspracherecht für junge Aktive!
Von Stefan Backs und Frank Schneller
[ALLGEMEIN | GESELLSCHAFT]
Lasst uns über Wertschätzung sprechen. König Fußball regiert die Welt. Ist das unfair?
Hayner: Ich finde es fair, denn so ist nun mal der – freie – Markt: Angebot und Nachfrage. Das Interesse am Fußball ist größer. Ich bin der Letzte, der jammert. Ich habe bei den ‚Deutschen‘ vor 5.000 Leuten gespielt, das war für mich mega. Wenn es 50.000 wären, wäre es noch geiler. Und wenn es jedes Wochenende so wäre, wäre es auch super. Aber ich bin sehr glücklich mit dem, was ich tue und ich bin auch nicht neidisch. Aber ich fühle mich als Sportler im Vergleich zu Fußballern nicht ausreichend wertgeschätzt. Was wir tun ist gleich viel wert: Aufwand, Energie, Verzicht – alles gleich. Und dann ist der Unterschied natürlich, bei dem was rauskommt, immens. Es ist schade, wenn die Wertschätzung in der Gesellschaft überhaupt nicht gegeben ist. Du hast sie nur in deiner Community. Ein Beispiel: Nach Highlight-Events, besonders wenn sie atmosphärisch und emotional aufgeladen sind, falle ich in ein Loch, das ist unfassbar. Draußen fragt Dich kurz darauf schon keiner mehr, es interessiert überhaupt niemanden. Diese fehlende Wertschätzung empfinde ich als schlimm.
Das ist ja – übersetzt – auch eine Art Anonymität. Wie ist das bei Dir, Dimitri?
Ignatow: Ich kann mich schon frei in Kassel und Melsungen bewegen. Handball, auch in der 1. und 2. Liga, wird oft abseits der Metropolen gespielt, da ist das mit der Anonymität relativ. Nach Erreichen des Final Four hat man überall in Melsungen und Kassel die Poster von uns gesehen. Auch vor der Halle hängen jetzt welche – wenn ich dran vorbeifahre, mit meinen Eltern, denke ich: das ist schon krass.
Hayner: Ist das ein schönes Gefühl?
Ignatow: Das ist ein superschönes Gefühl, ja. Man halt diese Wertschätzung. Die nimmt zu und das ist schon etwas Besonderes. Nicht wie im Fußball, aber die Richtung ist erkennbar. Dass auch der mediale Wert steigt. Aber ich weiß auch noch ganz genau, wie es damals war, als Handball noch weniger beachtet wurde. Das verleitet einen schon zu der ursprünglichen Frage: Warum eigentlich machen wir unseren Körper kaputt? Mit 34 laufen wir dann teilweise rum wie doppelt so alt, weil wir unseren Körper kaputt machen. Und dann wird wieder klar: Es muss ja nicht unbedingt das Finanzielle sein, sondern wir haben damit ja als Kinder angefangen und dabei nicht mit acht Jahren in unserem Kopf, wir wollen dicke Kohle verdienen, sondern dass es einfach Spaß macht. inzwischen ist das Finanzielle halt ein Bonuspunkt. Aber die Wertschätzung ist schon auch sehr wichtig.
Kaymakci: Man macht es für den Verein, die Mannschaft und die Fans – aber am Ende des Tages macht es jeder für sich selbst, denn es ist immer noch ein Job. Ich kann Julius voll verstehen. Obwohl ich aus dem Fußball komme. Was ich zu dem Loch sagen kann, das er beschreibt: Dadurch, dass der Fußball so viel Bildfläche bekommt und viele Spieler extrem viel Aufmerksamkeit erhalten, ist die Zahl derer, die auch in Loch fallen, vermutlich groß. Ich glaube, Anerkennung ist geil und Ihr beide habt viel mehr davon verdient durch die Öffentlichkeit. Ihr könntet damit sicher auch umgehen. Aber im Fußball wiederum denke ich, dass übertriebene Anerkennung, also auch wirtschaftlich, vielen Spielern gar nicht gut tut. Weder ihrer Leistung, noch wie sie mit anderen umgehen.

Einen anhaltenden Medien-Hype gibt es nur im Fußball. In den anderen Sportarten ist er temporär. Olympische Spiele sind ein gutes Beispiel. Die European Championships olympischer Sportarten sind sehr beliebt, doch das Interesse endet mit dem Event.
Kaymakci: Wenn euer Sport mehr gezeigt würde, würdet ihr natürlich mehr Sponsoren, mehr Geld und mehr Anerkennung bekommen. Betrachtet man die Leistung, die jeder einzelne von Euch erbringt, ist es ungerecht, wenn eben manche Sportarten so wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Ignatow: Julius, Ihr seid die erfolgreichste Mannschaftssportart bei Olympia überhaupt, und medial völlig unterrepräsentiert. Das Problem ist, dass speziell die öffentlich-rechtlichen Sender, die eigentlich den Auftrag haben, ausgewogen zu berichten, dem nicht so gerecht werden.
Hayner: Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht. Niemand verlangt, dass jedes Hockey-Bundesligaspiel übertragen wird, dafür ist die Nachfrage schlichtweg zu gering. Man kann aber auch Nachfrage schaffen und da sehe ich zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender mehr in der Verantwortung. Und die Olympischen Spiele dienen immer wieder als gutes Beispiel: Die Leute interessieren sich für die Sportarten und Athleten, wenn sie ihnen präsentiert werden. Ich finde, dass es in diesen Sportarten auch die viel geileren, persönlicheren Geschichten zu erzählen gibt als im Fußball. So nehme ich das Feedback rund um diese Turniere auch wahr. Die Begeisterung verpufft danach aber auch wieder genauso schnell, weil der Zuschauer einfach keinen Kontakt mehr hat. Von Hockeyseite wird schon immer viel getan, in Richtung Öffentlich-Rechtliche. Vielleicht muss man es mal ernsthaft probieren, damit man zumindest mal messbare Ergebnisse hat – und bei Olympia nicht in die 70. Minute beim Frauenfußball-Spiel rüberschalten, wenn andere Athleten gerade parallel um Medaillen kämpfen. Dabei darf dann der Return-of-Invest nicht in erster Reihe stehen. Ich bin ja privilegiert, weil ich in einem Verein spiele, den ein Mäzen unterstützt, der sich daran erfreut und sich nicht für einen Return-of-Invest interessiert. Es gibt aber auch zahllose andere Beispiele, vor allem in Einzelsportarten. Es gibt Einzelsportlerinnen und Sportler, die trainieren bis zur Erschöpfung. Ohne die nötige Unterstützung. Das steht in keinem Verhältnis und einfach nicht fair ihnen gegenüber. Mehr mediale Präsenz würde die Bedingungen zumindest nicht verschlechtern.
Es gibt Studien, die belegen, dass der Fußball ein demografisches Problem bekommt. Ein Generationsproblem und ein Problem mit dem Konsumverhalten junger Menschen. Das heißt, wenn der Fußball nichts ändert, werden ihm die Zuschauer aussterben. Tun eure Sportarten genug dafür, hiervon zu profitieren? Sind eure Funktionäre so modern aufgestellt, das zu nutzen?
Hayner: Ich würde dem Hockey-Verband weltweit und auch in Deutschland schon unterstellen, dass sie vorwärtsgewandt sind. Es gibt Überlegungen zu neuen Spielformen, von elf auf fünf Spieler pro Team auf dem Feld. Auch der Videobeweis ist ja etwas, was im Hockey seit Jahren funktioniert, auch bei deutschen Endrunden und nationalen Meisterschaften. Dennoch: Hockey ist eine Sportart, die alle vier Jahre vom Aussterben bedroht ist. Sobald wir nicht mehr bei Olympia sind…
Ignatow: Da gibt es im Handball auch gerade eine große Diskussion. Bleibt Handball olympisch? Dockt man es an die Winterspiele an? Die Zuschauerzahlen bei der jüngsten WM waren nicht so ermutigend. Muss man – plakativ formuliert – die Frage stellen: Stirbt der Handball aus? Ich habe das Gefühl, die Entscheider sind zu bequem. Die sagen sich: Es hat doch alles funktioniert. Warum sollen wir was ändern? Das wäre zu viel Arbeit und man weiß nicht, ob es erfolgreich ist. Die trauen sich nichts. Schon gar nicht finanziell. Ich bin zum Beispiel leidenschaftlicher Zocker – aber es gibt bis heute kein Handballgame. Handball ist sehr schnell, das mag eine Herausforderung bei der Simulation sein. Aber wenn man das im Basketball und Eishockey hinbekommt, muss das doch auch in unseren Sportarten möglich sein. Dieser Zugang könnte uns so viele neuen Zuschauer und Interessenten bringen. Eine komplette Generation als Markt! Stattdessen diskutieren wir darüber, ob wir nicht mehr mit Harz spielen dürfen. Also, wenn das so kommt, gehen so viele spektakuläre Aktionen verloren, nicht nur die Dreher. Das wäre eine total falsche Entwicklung. Es fehlt der Mut, mal was auszuprobieren, es herrscht immer noch zu viel Traditionsdenken. Bob Hannig fordert Weltmeisterschaften in Ländern, in denen Handball erst noch erschlossen werden muss. Natürlich können solche Experimente in die Hose gehen, aber man muss es doch mal versuchen. Handball in Amerika – warum nicht? Die US-Profiliegen spielen doch auch in Asien und Europa zu PR-Zwecken. Ich erwarte nicht gleich, dass wir gegen den THW Kiel in Washington spielen – aber bei WM-Turnieren sollte man doch viel globaler denken.

Ihr seid alle drei in einem Alter, in dem Ihr noch was verändern könnt. Habt Ihr Lust dazu?
Kaymakci: Also, ich fühle sogar so etwas wie eine innerliche Verpflichtung dazu. Es sind doch die Aktiven, die am meisten Ahnung haben, wie das Sportbusiness läuft. Die Mehrzahl unter uns Sportlern hat mehr Ahnung als die sogenannten Schreibtischtäter, weil wir einfach diese exklusiven Einblicke haben. Ich habe das selber mitbekommen und ich sehe auch, in welche Richtung sich der Fußball entwickelt, von seinen Grundwerten her. Ich glaube, es ist in den anderen Sportarten ähnlich. Die Aktiven wissen, was verändert werden kann – oder müsste –, aber die werden gar nicht gefragt. Sie haben keine Stimme. Provokativ formuliert: Gebt uns Aktiven mehr Rechte. Bindet uns ein, fragt uns: Was läuft in unserem Verein falsch, wie seht ihr unseren Verein? Den Verband? Wie seht ihr den Sport aktuell? Hört Euch einfach mal an, was wir zu sagen haben – und belächelt nicht unsere Meinung. Es ist immer die Rede von mündigen, authentischen Sportlern – es gibt sie. Hört zu. Spieler mit Erfahrung, Reputation oder der Bereitschaft zur Verantwortung darf man nicht ignorieren oder gar ihren Radius einengen. Sagt ihnen nicht nur, was sie zu tun haben, bindet sie ein und gebt ihnen Raum. Blickt über den Tellerrand. In die Zukunft. Viele Entscheidungsträger in Vereinen oder auch Verbänden denken immer nur kurzfristig, nicht nachhaltig. Der Blick in die Zukunft ist verbaut. Speziell im Fußball ist das ein Thema. Verstärkt durch die finanzielle Power, die es im Fußball nun mal gibt. Das Business leitet unseren Sport.
Hayner: Wenn ich das gerade so höre, bin ich ganz froh in meiner Nische, in meiner Sportart, weil da der Sport im Vordergrund steht. Ich würde dennoch jederzeit mein Randsportlerleben in ein Profisportlerleben tauschen. Nur das sage ich natürlich auch in Unkenntnis des Alltags eines Profis. Was du da gerade gesagt hast, Semir, ist für mich so befremdlich im Vergleich zu meiner Sportart. Da man uns im Hockey nur unterstützt, weil wir als Mensch zählen, weil den Verantwortlichen etwas an uns liegt. Bei uns kommst du zum Verein, indem dir geholfen wird: Ausbildung, Schule, Job, alles Mögliche. Mein Apell in Richtung Wertschätzung ist eher gesellschaftlich, man mag es als Systemkritik verstehen. Mir kommt der Sport, speziell der Spitzensport hierzulande zu kurz.
Ignatow: Ich glaube, am Ende des Tages geht es den Funktionären natürlich schon auch um ihre Posten. Warum auch sollte jemand etwas von seinem Schreibtisch aus verändern, wenn es in seinem Alltag funktioniert, wenn er von Gegebenheiten im hier und heute profitiert? Man muss schon verstehen, dass deren Risikobereitschaft Grenzen hat. Ist, glaube ich, menschlich. Cool wäre aber, wen sie sich öffnen für neue, frische Argumente und Ideen – so wie das hier jetzt angeklungen ist.
Inzwischen vermarkten etliche Sportlerinnen bei Onlyfans ihre Haut, weil ihnen das nötige finanzielle Zubrot fehlt, ihrer Sportart auf hohem Niveau nachgehen zu können. Die bezahlen davon ihre Ausrüstung oder ihr Trainingslager. Da drängt sich die Frage auf: Ist Deutschland eine Sportnation?
Hayner: Historisch gesehen auf jeden Fall, aktuell gerade noch so, wenn es so weitergeht in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr. Ich glaube, es müsste eigentlich Aufgabe des Staates oder des Bundes oder des zuständigen Ministeriums sein, eine adäquate Förderung bereitzustellen. Die besteht nur einfach nicht, wenn Sportlerinnen ihre Haut zu Markte tragen müssen, wenn Sportler nebenbei noch arbeiten müssen und ihr Equipment selbst anschaffen müssen. Die Frage lautet: Was ist es dem Staat oder der Gesellschaft wert? Als Sportler egal welchen Alters wird es dir in Deutschland nicht gerade leicht gemacht, deiner Passion nachzugehen. Man schmückt sich gerne mit den Erfolgen, tut aber nichts dafur und wundert sich, dass die Erfolge ausbleiben. Dann macht man wieder eine Abrechnung nach den Olympischen Spielen und sagt: viel zu wenig Medaillen. Ein einziges College in Amerika hat mehr Fördermittel als der gesamte DOSB. Du träumst auf der einen Seite von Weltklasse, kannst aber froh sein, dass es überhaupt Sportlerinnen und Sportler auf dem Niveau gibt, die es aus eigener Motivation, aus eigenem Antrieb dahin schaffen. Wenn Deutschland eine Sportnation bleiben will, muss Sport wieder einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft bekommen und mehr Geld in die Förderung fließen. Und ich glaube, dass das wirklich eine Aufgabe einer Gesellschaft und dann in der Form des Landes und des Bundes ist, das anzugehen. So wie es in Deutschland ist – 15.000 Euro für eine Goldmedaille und 100.000 Euro für den Dschungelkönig, überspitzt formuliert – ist es absolut nicht gerecht.

Dimitri, Du hast bei der MT das Glück, eine Struktur vorgefunden zu haben, in der du ja auch eine Ausbildung machen konntest. In der vieles für die Spieler organisiert wird. Aber stell dir mal vor, du wärst Individualsportler und müsstest dein eigenes Trainingslager finanzieren …
Ignatow: Dann müsste ich mir auch überlegen, ob ich diesen Weg überhaupt gehen kann. Ob ich das dann auch so bedingungslos durchziehe, gegen alle Widerstände und ohne den Support, den wir haben. Gerade im Individualsport stelle ich mir das ganz schwierig vor, wenn man kein Topstar ist. Die müssen an so viele Türen klopfen und fragen, ob sie gesponsert werden können. Das haben wir als Handballer oder Fußballer ja nie. Wir setzen uns schon ins gemachte Netz. Es gibt so viele Dokus über Profisportler aus Amerika, NBA, NHL usw. – da geht’s auch immer um die optimale Vorbereitung, um Körperpflege – dass jmd. von zwei Physios behandelt wird zum Beispiel. Ich bin froh, wenn ich überhaupt mal eine Physio-Stunde bekomme. Und dann denke ich mir so: Wenn Leute sich das angucken, denken die sich, bei uns ist das auch so, als Profi. Einfach mal so in die Halle gehen und eine Stunde ganz allein für sich auf Körbe werfen. Bei uns undenkbar. Wenn ich Wurftraining machen will, außerhalb unserer Einheiten, muss ich Stadt oder Schulleitung fragen, ob das geht, ob die Halle offen ist. Oder ich will in den Kraftraum – das muss ich auch erst abklären. Das College-System dort ist schon cool. Die haben alle Privilegien, die es hier in dieser Form nicht gibt. Allein schon aufgrund der Infrastruktur. Hier hat mir meine Mama Brote geschmiert für den Tag und wir haben uns draußen in der Kälte aufgewärmt vor dem Training. Dort wählt man in der Mensa auf dem Campus ein Gericht aus, die Aufwärmphase ist in einem Gym mit allem Drum und Dran. Ich will sagen: in Deutschland wird der Sport nicht nur schlecht gefördert, es werden ihm eigentlich noch Steine in den Weg gelegt.
Hayner: Spitzensportler werden in unserem Fördersystem ja eher noch dafür bestraft, dass sie sich neben dem Sport, in dem sie Deutschland repräsentieren, ein Leben aufbauen und finanziell zusätzlich für die Zeit nach der Karriere sorgen. Das ist einfach ein spitzensportfeindliches Klima. Da wäre der Auftrag, übergeordnet zu sagen: Sport muss wieder eine viel größere Wertschätzung haben.
Welche Hinweise oder Ratschläge würdet ihr geben, quasi als Sportfunktionär – in eurer Disziplin oder sportart-übergreifend?
Ignatow: Ich würde im Sinne des Handballs versuchen, das Internet noch besser zu erschließen. Die jüngere Generation mit altersgerechteren Online-Plattformen anzusprechen und abzuholen, abseits des normalen Fernsehens, weil viele junge Leute das gar nicht mehr nutzen. Amazon Prime, Netflix und all die Online-Anbieter – das würde ich viel mehr anpeilen, Werbespots dort einspielen, Bandenwerbungen generieren, Spiele entwickeln – in diese Richtung. Wir brauchen den Nachwuchs.
Kaymakci: Im Fußball sollte vor allem die Menschlichkeit wieder mehr im Vordergrund stehen. Der Charakter, die Persönlichkeit an sich. Fußballprofis sind immer auch Menschen. Und genau so sollten sie wertgeschätzt und entsprechend gleich behandelt werden. Ich würde versuchen, mir Gehör zu verschaffen und mehr Ehrlichkeit und Menschlichkeit reinzubringen … Und, ganz wichtig: Die Aktiven sollen nicht nur sportlich besser werden, sondern den nötigen Freiraum und die Unterstützung erhalten, sich persönlich weiterzuentwickeln, besonders die ganz jungen. Helft ihnen, Antworten auf die wichtigen Fragen im Leben zu finden. Das steigert ja auch ihre Leistungsfähigkeit. Persönlichkeitsentwicklung ist super-wichtig, kommt aber zu kurz.
Hayner: … und ich würde wahrscheinlich ergänzen, probiert es einmal richtig, also alle zusammen. Es gibt sehr viele vorantreibende Kräfte im Hockey. Es gibt generell im deutschen Sport aber leider noch viele Rückwärtsgewandte. An unsere Generation: Seid frecher, fordert das auch ein auf der anderen Seite. Wir sind, um Semirs Vorlage aufzunehmen, Menschen, keine Roboter. Gerade Nachwuchssportler bräuchten in Deutschland eine Stimme. Nicht nur die etablierten Aktiven, nicht nur die Funktionäre, sondern junge Sportler wie wir, die noch nicht ausgesorgt, die aber schon wichtige Erfahrungen gemacht haben.

