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„Das Ziel bleibt das gleiche, es findet nur wann anders statt“

Der Olympia-Verschiebung sieht Freiwasserschwimmerin Leonie Beck gelassen entgegen: Ihr Ticket für Tokio hat die amtierende WM-Dritte bereits sicher. Die ungewisse Zeit bis zum nächsten Wettkampf will die 23-jährige nun zum Sammeln weiterer Erfahrungen und für ihr Masterstudium der Medienkommunikation nutzen. [MENSCHEN | RINGE | FÖRDERER | SPORTHILFE]

Leonie, als eine von wenigen deutschen Schwimmern hast Du Dein Olympia-Ticket bereits in der Tasche – ein gutes Gefühl?

Die Verschiebung war anfangs auch für mich ein Schock. Umso wichtiger war dann die Info, dass die bereits Qualifizierten ihre Startberechtigung auch für 2021 beibehalten. Dadurch habe ich mehr Zeit und muss mich auf keinen Zwischenhöhepunkt vorbereiten. Die Qualifikation ist schon immer sehr nervenaufreibend. Umso cooler, dass wir uns als deutsches Freiwasserteam bei der WM 2019 alle vier möglichen Startplätze sichern konnten.

Tokio wären Deine zweiten Olympischen Spiele, in Rio 2016 warst Du noch auf den kürzeren Strecken im Becken am Start. Wieso hast Du Dich für die langen Distanzen entschieden?

Bis 2016 war ich nur im Becken unterwegs und konnte mich auch immer für die Höhepunkte qualifizieren, aber dort dann nie meine besten Leistungen abrufen. Nach Rio, wo ich weit über meiner Bestzeit geblieben war, hatte ich überlegt, wie es weitergehen soll – und ob es überhaupt noch Sinn hat, weiter zu schwimmen. Weil ich eine gute Grundgeschwindigkeit habe und es in meinem Verein in Würzburg mit Präsident Thomas Lurz (Olympia-Zweiter und zwölffacher Weltmeister, Anm. d. Red.) sowie meinem Trainer Stefan Lurz eine große Freiwasser-Tradition gibt, haben wir es einfach einmal probiert. Trotz Anlaufschwierigkeiten habe ich nicht aufgegeben und wollte zeigen, dass ich es kann.

Und der Erfolg gibt Dir Recht, Du hattest 2019 einen tollen Lauf. Wie gehst Du nun mit der neuen Situation durch die Corona-Pandemie um?

Das Ziel bleibt das gleiche, es findet nur wann anders statt – genauer gesagt 364 Tage später. Ich bin immer noch extrem motiviert und hoffe, dass ich beim Rennen den besten Tag meines Lebens erwischen werde. Die Erfahrung ist im Freiwasserschwimmen sehr wichtig, insofern kann ich der Verschiebung auch etwas Positives abgewinnen.

Auch die EM in Budapest wurde auf 2021 verschoben, ob es in diesem Jahr überhaupt noch einmal Wettkämpfe für Euch geben wird, ist unklar. Wie hältst Du die Spannung hoch?

Das ist in der Tat ein bisschen schwierig. Ich kann ja nicht auf den nächsten Wettkampf hin planen, wenn niemand weiß, ob und wann der stattfinden wird. Wir versuchen daher gerade die Form zu halten, motiviert zu bleiben und ganz normal zu trainieren. Allerdings bin ich auch dankbar, dass ich jetzt etwas mehr Zeit für das Studium habe.

Du studierst im Master Medienkommunikation in Würzburg. Führt der Studiengang dazu, dass Du die Berichterstattung rund um Corona und die Olympia-Verschiebung mit einem besonderen, einem professionellen Fokus verfolgst?

Wenn man ein bisschen über die Hintergründe Bescheid weiß, wie Nachrichten – aber auch Fake News – entstehen und den Leuten nähergebracht werden, dann sieht man das schon mit etwas anderen Augen. Das Wissen aus dem Studium kann ich hier durchaus anwenden.

Schwimmern begegnet ja oft der Satz, sie würden im Training vor allem Kacheln im Becken zählen. Wie wichtig ist Dir das Studium als Ausgleich zum Sport?

Mir war es sehr wichtig, dass ich neben dem Sport etwas mache und später nach meinem Karriereende nicht ohne Plan dastehe. Nach den Olympischen Spielen 2016 musste ich etwas aufholen, das hat gut geklappt. Nach dem Bachelor wollte ich dann keine Pause machen und bin angesichts der Olympia-Verschiebung auch sehr froh darüber. Mit meinem Studium kann ich später in vielen Bereichen arbeiten, das kann ich mir schon gut vorstellen.

Bei Deinem Pensum bleibt keine Zeit für einen typischen Studenten-Job. Wie wichtig ist für Dich die Unterstützung durch die Sporthilfe und das Deutsche Bank Sport-Stipendium?

Für ein „normales“ Studentenleben habe ich tatsächlich überhaupt keine Zeit – und erst recht nicht für einen Nebenjob. Leistungssport und Studium unter einen Hut zu bekommen, das wäre ohne die Unterstützung von Sporthilfe und durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium sehr, sehr schwierig. Insofern bin ich dafür wirklich sehr dankbar.

Du hast WM- und EM-Medaillen gewonnen, Dich zum zweiten Mal für Olympia qualifiziert. Wie würdest du die Auszeichnung als Sport-Stipendiat des Jahres einordnen?

Es wäre eine riesige Ehre und Bestätigung für die Entscheidung, neben dem Sport die Zeit und Kraft für ein Studium aufzubringen. Der Schwimmsport ist sehr zeitaufwändig. Für mich persönlich wäre es daher vor allem eine sehr schöne Anerkennung meiner Dualen Karriere.

Steckbrief

Leonie Beck (*27. Mai 1997 in Augsburg)

Sportart:                     Schwimmen

Wohnort:                    Würzburg

Verein:                        SV Würzburg 05

Größte Erfolge:         WM-Bronze 2019 (5 km), EM-Silber 2018 (5 km und 4×1,25 km Staffel)

Studium:                    Medienkommunikation (Master)

Universität:               Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Fotos: Deutsche Sporthilfe

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