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„Das Studium ist für mich keine Mehrbelastung, sondern ein notwendiger Ausgleich“

Beachvolleyball-Shootingstar Julius Thole gewann vergangenes Jahr WM-Silber in seiner Heimatstadt Hamburg und muss seitdem auch auf dem Uni-Campus einige Fan-Selfies mehr schießen. Die Olympia-Verschiebung nutzt der 23-Jährige zur noch besseren Vorbereitung auf seine weiteren Ziele – auf dem Feld und im Jura-Studium. [MENSCHEN | RINGE | FÖRDERER | SPORTHILFE]

Julius, als amtierende WM-Zweite gehören Dein Partner Clemens Wickler und Du automatisch zu den besonders beachteten Teams bei den Olympischen Spielen. Wie traurig macht es Dich, auf diese spezielle Erfahrung noch ein Jahr länger warten zu müssen?

Als sich die Ereignisse rund um Corona mehr oder weniger überschlugen, der Lockdown kam und die Spiele verschoben wurden, da war ich schon ein, zwei Wochen ziemlich down. Ich habe dann mit dem Team beschlossen, mich erst einmal ein paar Tage rauszuziehen, nur zu machen, worauf ich Lust habe. Danach haben wir einen sehr guten Plan aufgestellt mit intensivem Athletiktraining und mittlerweile sehe ich das auch optimistisch – Clemens und ich sind ja noch jung und haben uns bislang jedes Jahr ganz gut weiterentwickelt.

Den Qualifikationsstress habt Ihr nicht mehr, seid bereits für Olympia qualifiziert. Wie sieht Euer sportlicher Plan auf dem Weg nach Tokio aus?

Es wird eine sehr lang gezogene Olympia-Vorbereitung. Den Athletikblock – wir nennen es „Körperoptimierungstraining“ – hätten wir mit dieser Intensität aus Zeitgründen zum Beispiel nicht machen können. Kurzfristiges Ziel ist die „Road to Timmendorfer Strand“, eine kleine Turnierserie mit dem Ziel der Deutschen Meisterschaften im September. Wir freuen uns sehr, wieder Wettkämpfe im Blick zu haben, denn all das Training hilft nicht, wenn wir es nicht aufs Feld bringen können. So eine lange wettkampffreie Phase hatten wir noch nie.

Als Außenseiter habt Ihr bei der WM in Hamburg im vergangenen Jahr die Silber-Medaille gewonnen und den Sprung in die Weltspitze geschafft. Welche Erinnerungen hast Du an die zwei Wochen im Sand von Hamburg?

Auf jeden Fall war es unser und mein bisheriger Karrierehöhepunkt. Überhaupt eine WM zuhause in meiner Heimat Hamburg zu haben, war schon richtig cool. Dann aus sportlicher Perspektive, beim wichtigsten Event des Jahres mit den meisten Punkten für die Olympia-Quali Zweiter zu werden, war fantastisch – und auch, wie sich das Event entwickelt hat mit immer deutlich über 10.000 Zuschauern bei unseren Matches. Ein Teil der ganzen Euphorie gewesen zu sein, das war schon sehr besonders.

Du studierst in Hamburg Rechtswissenschaften. Wie häufig wirst Du nach dieser Heim-WM auf dem Campus nach Autogrammen und Selfies gefragt?

Die ersten drei, vier Wochen kam das schon einmal vor, aber das ist relativ schnell wieder weniger geworden. Ab und zu werde ich aber heute noch auf dem Campus angesprochen, vielleicht auch wegen meiner Größe (lacht). Aber eigentlich bin ich ganz froh darüber, nicht immer und überall erkannt zu werden.

Vor Deinen Professoren bist Du ein Student wie viele andere. Stößt Du an der Uni generell auf Verständnis für Deinen Leistungssport?

Die Uni kommt mir generell sehr entgegen. Anfangs war ich skeptisch, Rechtswissenschaft hat ja eher den Ruf, etwas konservativ und nicht unbedingt dem Sport zugewandt zu sein. Aber ich wurde extrem positiv überrascht. Ich darf etwa meine Arbeitsgemeinschaften bevorzugt wählen und kann sie so an mein Training anpassen. Die Corona-Zeit habe ich nun dazu genutzt, mich auf meinen angestrebten Schwerpunkt Gesellschaftsrecht vorzubereiten.

Als Beachvolleyballer bist Du sehr viel auf der ganzen Welt unterwegs und eigentlich ständig im Training. Wie wichtig ist Dir Dein Leben neben dem Profisport?

Das Studium ist für mich nicht zwingend Mehrbelastung, sondern ein notwendiger Ausgleich und eher der Leistung im Sport zuträglich. Es gibt einem, auch wenn es sportlich einmal nicht so gut läuft, das Gefühl von Unabhängigkeit und Sicherheit. Denn als Profisportler ist man stark von der Gesundheit und der sportlichen Weiterentwicklung abhängig. Ich will es nicht als „zweites Standbein“ bezeichnen, aber eine sichere, andere Tätigkeit zu haben, der man sich notfalls vollumfänglich widmen kann und die einen geistig anderes fordert, ist mir sehr wichtig.

Was bedeutet es nun für Dich, unter den letzten Fünf bei der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres zu stehen?

Der Titel „Sport-Stipendiat des Jahres“ besitzt in Deutschland einen riesen Wert und ist für mich super erstrebenswert – weil er so viel Aussagekraft hat. Es geht eben nicht nur um die Wertschätzung der sportlichen Leistung, sondern um die Vereinbarkeit der Dualen Karriere. Ich versuche, Beachvolleyball und Rechtswissenschaften mit hoher Qualität zu bestreiten – bis jetzt funktioniert das glaube ich ganz gut. Beides macht mir viel Freude, verlangt mir aber auch viel ab. Die Deutsche Bank und die Sporthilfe, einer meiner allerersten Partner überhaupt, unterstützen mich schon lange, vor allem in der Verbindung der beiden Welten.

Steckbrief

 Julius Thole (*17. Mai 1997 in Hamburg)

Sportart:                     Beachvolleyball

Wohnort:                     Hamburg

Verein:                        Eimsbütteler TV

Größte Erfolge:           WM-Silber 2019, EM-Fünfter 2019

Studium:                      Rechtwissenschaften

Universität:                 Universität Hamburg

 

Fotos: Deutsche Sporthilfe

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