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sportfrauen.net – Eine Bühne für den Frauensport

Von Julia Nikoleit. [ALLGEMEIN | GESELLSCHAFT | MENSCHEN]

2017 ging das Portal sportfrauen.net an den Start. Das Ziel von Gründerin Nina Probst: Die deutschen Top-Sportlerinnen in den Mittelpunkt stellen und mehr Aufmerksamkeit auf den Frauensport lenken. Am Jahresende 2020 erhielt das Projekt schlagkräftige Unterstützung durch den Sport-Informations-Dienst (SID).  Am Anfang des gemeinsamen Weges stand der Frust. Um in der Welt des Sports auf dem Laufenden zu bleiben, hatte Sportfrauen-Gründerin Nina Probst den Newsletter des Sport-Informations-Dienstes abonniert. „Mir ist aufgefallen, dass es Frauenthemen nur sehr selten in den Newsletter geschafft haben“, erinnert sich die 30-Jährige. „Das hat mich geärgert, denn wenn nicht einmal die größte Sportnachrichten-Agentur des Landes ein Gleichgewicht schafft – wie sollen es dann die anderen Medien machen? Ich habe daher eine E-Mail geschrieben und gefragt, ob wir an der Situation nicht etwas ändern wollen.“

Ihre Anfrage landete auf dem Schreibtisch von Cai-Simon Preuten. Dem Mitglied der Redaktionsleitung des SID war die von Probst angesprochene Problematik durchaus bewusst, denn der SID habe – das betont er ausdrücklich – den Frauensport bereits länger in den Fokus rücken wollen.

„Wir machen viele Geschichten im Frauensport, aber die gehen in der Tagesaktualität oft unter – und wir haben nicht die Plattform, um sie selbst zu veröffentlichen“, erklärt Preuten die Motivation des Nachrichtendienstleisters. „Dafür brauchen wir ein Schaufenster – und das kann Sportfrauen bieten.“

Inhalt gegen Sichtbarkeit – das war der Deal, auf den sich Probst und Preuten schließlich verständigten. Die Kooperation fußt auf zwei Säulen: Einem tagesaktuellen Newsticker, der mit Meldungen des SID aus dem Frauensport gefüllt wird – sowie themenspezifischen Content-Projekten.

Mehr Auswahl: Das tagesaktuelle Angebot des SID bietet Nina Probst große Chancen für ihr Portal.

Die erste Themenseite entstand anlässlich von 50 Jahren Frauenfußball, im Frühjahr lief zudem die multimediale Serie ‚Auf dem Weg nach Tokio‘ an. Mit Text und Video begleiten Sportfrauen und der SID dabei verschiedene Spitzensportlerinnen auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen. Die Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Julia Sude, Kunstturnerin Elisabeth Seitz oder Boxerin Sarah Scheurich: Mit einem Porträt sowie einem Video werden die deutschen Top-Athletinnen ausführlich vorgestellt. Abgerundet wird die Serie durch den Podcast ‚Sportfrauen auf dem Weg nach Tokio‘, der von meinsportpodcast.de produziert wird.

Für Probst ist die Kooperation ein großer Schritt nach vorne. „Einen so starken Partner wie den SID an der Seite zu haben, bringt uns maximal weiter“, betont die Sportfrauen-Gründerin. „Wir sind noch ein kleines Redaktionsteam und müssen daher immer gucken, welche Geschichten wir stemmen können. Durch den automatischen Newsticker sind wir erstmals in der Lage, das tagesaktuelle Geschehen abzubilden – und auch darüber hinaus bekommen wir tollen Content und profitieren vom Netzwerk des SID.“

Auch der Sport-Information-Dienst verspricht sich von der Zusammenarbeit mit dem Frauensport-Portal einen positiven Effekt. „Wir wollen die Vielfalt des Sports abbilden und haben Lust, gute Geschichten zu erzählen – egal, ob es um Männer oder Frauen geht“, betont der Redaktionsleiter. „Doch während bei den Männern viele Geschichten automatisch erzählt werden, werden die Themen aus dem Frauensport oft nicht mitgenommen.“

Daher wollen sich die Kölner nun verstärkt für die Gleichberechtigung in der Sportberichterstattung engagieren. „Es ist uns ein Anliegen, den Spitzensportlerinnen die Bühne zu bieten, die sie verdienen – und auf diesem Weg können wir aktiv dazu beitragen“, betont Preuten. „Wir erhalten dazu sehr positive Rückmeldungen, auch von den Athletinnen selbst.“

Doch trotz aller Begeisterung und intrinsischen Motivation: Reiner Altruismus ist das Engagement für den SID allerdings auch nicht. „Wir sehen im Frauensport eine Zielgruppe, die lange unterschätzt wurde“, hält der Redaktionsleiter fest. „Langfristig stellt sich daher sicherlich die Frage, wie wir gemeinsam mit Sportfrauen Geld verdienen können.“

Die Wirtschaftlichkeit ist ein Punkt, der Probst bei ihrem Projekt Sportfrauen ohnehin beschäftigt. Die Redakteurinnen und Entwickler sowie Co-Gründer Fabian Hajek sind bisher alle ehrenamtlich tätig, denn die Finanzierung erfolgt ausschließlich über die Plattform steadyHQ sowie ein kleines Merchandising-Angebot. „Davon können wir hin und wieder Fahrtkosten oder Social-Media-Werbung bezahlen, aber es reicht noch nicht, um unsere Autorinnen für ihre Arbeit zu entlohnen“, erklärt Probst. „Das steht für dieses Jahr ganz oben unserer Liste, denn Leidenschaft für das Schreiben und den Frauensport ist das eine – man muss von dem, was man tut, auch leben können.“

Um die Plattform inhaltlich noch breiter aufstellen zu können, würde sie das Team zudem gerne vergrößern. „Es gibt noch große Lücken, die wir füllen müssen“, betont Probst. Aktuell tauchen einige Sportarten noch gar nicht auf, andere können lediglich über Pressemitteilungen der Ligen und Verbände abgedeckt werden. Um die Ausarbeitung des Geschäftsmodells voranzutreiben, wollen Probst und Mitgründer Fabian Hajek ein Coaching nutzen, das ihnen als Gewinner der Auszeichnung Kultur- und Kreativpiloten Deutschland zur Verfügung gestellt wird.

Nina Probst und Fabian Hajek

Das übergeordnete Ziel, den Frauensport in Deutschland bekannter machen, verlieren Probst und ihr Team dabei nicht aus den Augen. „Wir wollen der Antreiber sein, der zeigt, was es für tolle Sportlerinnen gibt und was für tolle Geschichten man über sie erzählen kann, um andere Medien zu inspirieren“, unterstreicht die 30-Jährige. „Es wird in absehbarer Zeit zwar keine 50:50-Aufteilung in der Sportberichterstattung geben, was die Geschlechter angeht, aber wir können auf dem Weg dorthin viel bewegen.“

Sieht sich Probst bei all dem Engagement für den Frauensport eigentlich als Feministin? „Eine gewisse Portion Feminismus gehört sicherlich dazu, um ein solches Portal zu betreiben“, gesteht sie mit einem Schmunzeln ein. „Wir wollen aber nicht immer nur sagen, was schlecht läuft, sondern vielmehr zeigen, wie man es besser machen kann. Wir wollen Feminismus in die Tat umsetzen – und einfach machen!“

Fotos:  Sportfrauen.net

Julia Nikoleit ist freie Sportjournalistin und Autorin aus Hamburg. Neben ihrer Tätigkeit im Reporter- und Dienstleister-Netzwerk Medienmannschaft ist der Handball ihr Spezialgebiet. Nikoleit schreibt unter anderem für das Fachportal handball-world und die Handballwoche. Für sportfrauen.net hat Julia Nikoleit ebenfalls schon Texte verfasst.

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